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Mittwoch, 4. August 2010

PUR - Nie genug


Der Pfarrer riss den Jungen am Haar
und die Ohrfeige saß, weil er unartig war
vor der ganzen Klasse, Tränen im Gesicht,
das ist längst verzieh'n, der Junge war ich. 

Leere Formeln, als Gebete getarnt,
vor den Spätfolgen der Onanie gewarnt.
Wunderglaube gegen Phantasie,
gehorsame Schäflein fallen auf die Knie. 

Sie thronen unfehlbar, die alten Männer in Rom,
verbannen die Zweifler und auch das Kondom.
Die Lust des Teufels, aus Angst vor Frauen,
welcher Reichtum an Macht, Armut an Vertrauen.
Das Buch der Bücher auf Regeln beschränkt,
was zwischen den Zeilen steht, verdrängt,
habt euch vom Lachen und Lieben und Leben entfernt,
ich hab' euch abgestreift und selbst gelernt. 

In Musik, einer Melodie,
die mir Gänsehaut verpaßt,
in einer Idee, einem Bild, einem wahren Wort,
einem Kuß, der selbstlos macht,
liegt so viel Gott,
das liegt in der Luft und das hat so viel Kraft. 

Davon krieg' ich nie genug,
jeden Atemzug um Zug,
davon krieg' ich nie genug,
ich brauch' mehr, mehr als genug,
davon krieg ich nie genug. 

Die Angst vor der Sünde hat die Freude gelähmt,
die unbändige, göttliche Lebenslust gezähmt.
Triste Mienen bringen Dunkel ins Licht,
küßt ihr nur den Boden, ich küß' lieber dich. 

In einer Umarmung,
einer durchgefühlten Nacht,
liegt so viel Gott,
mein Gott, das lieb' ich,
das hat mich gepackt.
Davon krieg' ich nie genug,

Jeden Atemzug um Zug,
davon krieg' ich nie genug
ich brauch' mehr, noch viel mehr
noch viel mehr, mehr, mehr,
davon krieg ich nie genug. 

Ich hör ganz tief in mich.
Ich hör' ganz leise meine Stimme.
Ich hör' ganz tief in mich.
Ich hör' ganz leise, was die Stimme
singt - und das klingt
nach mehr.

Wenn der Kleine keine Chance hat
Wenn Versprechungen Lügen sind
Wenn es das Böse reich und gut hat
Wenn die Guten meist die Blöden sind

Dann ist klar, daß das Klima
Reichlich frustig werden kann
Denn wer nichts zu verliern hat
Der kommt schlimm drauf, ist übel dran

Die Angst im Genick, ein Niemand zu sein
Die eigne Ohnmacht spürn
Es fehlt nur ein Kick, und der Druck wird frei
Die Rücksicht am Verliern

Aggressionen ohne Richtung ohne Ziel
Und es wächst die Wut im Bauch
Keine Lösung, kein Ventil
Und es wächst die Wut im Bauch

Wie lange noch, bis der Kragen platzt
und bis die Faust sich ballt?
Sie ist so häßlich und sie grinst eiskalt
Die Fratze der Gewalt - Wut im Bauch

Wenn Du manchmal aggressiv bist
Dann, denk ich, ist das ganze normal
Denn wer in dieser Welt nie ne Wut kriegt
Dem ist vermutlich alles scheißegal

Benutz Deine Wut und saug daraus Kraft
ne wilde Energie
Aus Hitze und Blut wird Strom gemacht
Du mußt nur wissen, wie

Aggressionen ohne Richtung ohne Ziel...

Schrei nur, schrei
Tob Dich aus zur Musik
Lauf nur, lauf
Kämpfe, kämpf um Dein Glück

Schrei nur, schrei für Dein Recht
Und tob Dich aus zur Musik
Lauf nur, lauf um den Sieg
Und kämpf ums Glück, doch bitte tu keinem weh

Aggressionen ohne Richtung ohne Ziel...

Aggressionen, schrei sie raus "Hals kommen"
die ganze Wut im Bauch
Schrei sie raus, die ganze Wut im Bauch
Schrei sie raus, schrei sie raus
Schrei sie raus, schrei sie raus
Die Wut im Bauch

Samstag, 3. April 2010


Fallen

Mein Kartenhaus ist wieder eingestürzt
weil der Wind von mehr als einer Seite kam
all die Farben sind jetzt übermalt
mir bleibt ein schwarzes Loch und eine Hand

Wenn ich sie hebe wird sie schwer wie Blei
und ist nicht fähig etwas neues zu bauen
ich weiß, ich könnte, wenn ich wollte
doch wollen können kann ich nicht
mir fehlt der Mut, mich zu trauen

Hinter mir zerschmettert
Glas und Porzellan
vor mir zerspringt der Spiegel
in dem ich mich sonst sehen kann
und ich steh bebend mittendrin
aber noch lebend mittendrin
zwischen den Scherben wohin?


Ich mach die Augen zu
und lasse mich fallen
ich hoffe, jemand fängt mich auf
ich dreh mich im Kreis
mit verbundenen Augen
bis mir jemand die Richtung zeigt


Du bist da und streichst mir über´s Haar
Du fängst mich auf wie warmer, weicher Sand
du beatmest mich mit allem was du bist
ich fühl die Kraft zurück in meiner Hand.

Wenn ich dich so spüre
dann kommt die Welt zum stehen
mit dir zusammen könnt ich
Barfuß durchs Scherbenmeer gehen
Denn die Wunde heilt mit der Zeit
doch du und ich erleben zu zweit
trotz aller Scherben zu zweit


Ich mach die Augen zu
und lasse mich fallen
ich weiß, du fängst mich auf
ich dreh mich im Kreis
mit verbundenen Augen
bis du mir die Richtung zeigst

Du machst die Augen zu
und läßt dich fallen
und du weißt, ich fang dich auf
du drehst dich im Kreis
mit verbundenen Augen
bis ich dir die Richtung zeig
mach die Augen zu
und lass dich fallen
mach die Augen zu
und lass dich fallen...

 [PUR - Fallen]

Sonntag, 14. März 2010


Ein kalter Schauer jagt
mir durch die Haut
aus dem Gedächtnis nie gelöscht.

Warum in jener Nacht
was hast du nur gedacht
was hat die Zweifel weggewischt?

Die Tiefe Traurigkeit in dir
dafür fehlte das Gespür
hab ich ganz anders als dein Lächeln
im Trubel übersehn. 

"Drachen sollen fliegen" war dein Lieblingslied
und in jener Nacht hast du es wahr gemacht
und bist losgeflogen
ganz ohne Flügel aus dem 13. Stock.


Du hast dein Ende selbst gewählt
hast dich mit leben so gequält
doch war das fair? War das nicht feige?
Du gibst keinem mehr 'ne Chance.

Erst wenn dein letzter Vorhang fällt
erst dann verliert die Welt
den Mut für dich, ich wünsch' dir trotzdem
alles Gute, da, wo du jetzt bist.

Du warst für jeden Pfeil
schutzloses Ziel
für diese Welt zu viel Gefühl.

Was war der letzte Tritt
zum allerletzten Schritt
hat dich der Todesrausch verführt?

Daß du die Antwort schuldig bleibst
und so die Trauer nie vertreibst
ist rücksichtslos und tut genau den Falschen,
die dich brauchten, weh.

Zu spät, um dir zu zeigen, was du hier versäumst
wie man hofft und träumt, kannst du dir denn
verzeihn, ich wollte keine Drachen fallen, sondern steigen sehn.


Du hast dein Ende selbst gewählt
hast dich mit leben so gequält
doch war das fair? War das nicht feige?
Du gibst keinem mehr 'ne Chance.
Erst wenn dein letzter Vorhang fällt
erst dann verliert die Welt
den Mut für dich, ich wünsch' dir trotzdem
alles Gute, da, wo du jetzt bist.

Ich wünsch' dir
noch ein Leben      
     noch ein Leben
noch ein Leben mit einer fairen Chance.
Ich wünsch' dir
noch ein Leben             
                noch ein Leben
noch ein Leben          
doch du hast nur eine Chance.

"Noch ein Leben "

"Im Oktober 1991, während der "Nichts ohne Grund"-Tour, ereignete sich die tragische Geschichte dieses Liedes. Da man zu wahren Begebenheiten aus dem eigenen Bekanntenkreis eine besondere Nähe empfindet, fiel uns die Entscheidung, das Lied auf die CD zu bringen, entsprechend schwer. Wir glauben allerdings, daß wir uns auf diesem Wege so mit dem Thema auseinandergesetzt haben, daß das Lied vor allem die Trauer erleichtert und hoffentlich genügend warnt." (Erklärung im Booklet)

Samstag, 13. März 2010


Leben
             
Wie nur konntest Du das tun?
Hast Du nichts dabei gefühlt?
Was nahm Dir all die Skrupel, all die Scham? 

Du hast gewissenlos gehorcht
Mord befohlen, ausgeführt
Das Gas war leise, nur die Schreie laut. 

Die Bilder machen fassungslos
Gruben voller Leichen
Voller nicht erfüllter Hoffnungen...
Du hast als Richter, Henker ihre Zukunft geraubt 

Wie kann ein Mensch zum Unmensch werden?
Das höchste Gut mit Füßen treten? 

Leben - mehr als nur zu überleben
Leben - das ist Ursprung und Ziel
Leben - als kleiner Teil des großen Ganzen
Lebenswert zu sein 


Dass im Namen einer Politik
Dass im Namen einer Religion
Menschenverachtung uns in Kriege führt,
Und dass der Wahnsinn triumphiert
Wo ein Leben nur als Opfer dient
All das blieb uns bis jetzt erspart...

Wir kennen nur die Bilder
Das genau ist unsere Chance
Wenn wir begreifen, wenn wir lernen wollen
Wie Du und ich und wir gemeinsam 

Leben - mehr als nur zu überleben
Leben - das ist Ursprung und Ziel
Leben - als kleiner Teil des großen Ganzen
Lebenswert zu sein

"Leben"


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